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13. April 2008

Gegen die Anti-Gesamtschulpolitik der Landesregierung - Grüne wollen den Elternwillen umsetzen und Neugründungen unterstützen

CDU und FDP diskreditieren die Leistungen der Gesamtschulen

Die Schulpolitik der schwarz-gelben Landesregierung ist ein Scherbenhaufen. Mit  dem übereilten und undurchdachte eingeführten Turbo-Gymnasium stehen CDU und FDP mit dem Rücken zur Wand. Die permanente Diskreditierung der Leistungen der Gesamtschulen - zunächst in erster Linie durch die FDP, aber nun zunehmend aus den Reihen der CDU und von Seiten der Schulministerin - soll vom eigenen schulpolitischen Versagen ablenken.

 

Die Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen verdienen die größtmögliche Unterstützung durch die Politik auf kommunaler wie auf Landesebene. Als weiterführende Schule erbringt sie die größte Integrationsleistung. Tausende Schülerinnen und Schüler erwerben an den Gesamtschulen die Hochschulreife, denen dies aufgrund ihrer - im Alter von 10 Jahren vergebenen - Grundschulempfehlung ansonsten verwehrt geblieben wäre. Durch die zentralen Abschlussprüfungen nach der Klasse zehn und im Abitur ist die Gleichwertigkeit der Abschlüsse an den unterschiedlichen Schulformen gewährleistet. Während Ministerin Sommer im vergangenen Jahr das gute Abschneiden der Gesamtschülerinnen und Gesamtschüler im Zentralabitur hervorhob, versucht sie aktuell, die Leistung gymnasiale Oberstufe der Gesamtschulen durch die offensichtlich bewusst falsch interpretierten Abbrecherzahlen in ein schlechtes Licht zu rücken. 

 

CDU und FDP machen den Gesamtschulen das Leben schwer

Die Attacke auf die Oberstufen der Gesamtschule ist nur ein Baustein in einer von CDU und FDP angezettelten Kampagne der Nadelstiche gegen die Gesamtschulen. Nicht nur, dass der Ganztag an den Gesamtschulen im Schulgesetz gestrichen und die Entlastung für Schulleitungen empfindlich gekürzt wurde, im Grundschulgutachten sollten ursprünglich sogar die Empfehlungen für die Gesamtschule verschwinden. Zusätzliche Lehrerstellen kommen weit unterproportional den Gesamtschulen zugute. 
 
Aktuell verhindert die Landesregierung Neugründungen von Gesamtschulen mit dem hastig konstruierten Argument,  bei der Anmeldung sei eine Leistungsheterogenität vorausgesetzt, die nur durch jeweils ein Drittel der Kinder mit Empfehlung für Hauptschule, Realschule und Gymnasium nachgewiesen werden könne. Diese Vorgabe ist schulrechtlich nicht gedeckt. Sie entspringt vielmehr der ideologischen Einteilung der Schülerinnen und Schüler in starre Begabungsschubladen und Schullaufbahnen durch die Landesregierung. Dass viele Kinder ohne Gymnasialempfehlung erfolgreich die Schullaufbahn an Gesamtschulen durchlaufen und das Abitur erreichen, bleibt dabei ebenso unberücksichtigt wie die grundsätzliche Problematik der Übergangsempfehlungen der Grundschulen und deren Rolle bei der sozialen Auslese.

 

CDU und FDP ignorieren den Elternwillen

Wie in den vergangenen Jahren dokumentieren auch die diesjährigen Anmeldezahlen an den Gesamtschulen die Beliebtheit dieser Schulform. Wieder wurden ca. ein Viertel aller Kinder, die auf eine weiterführende Schule wechseln, an einer Gesamtschule angemeldet. Die Anmeldezahlen verdeutlichen aber auch das alljährliche Trauerspiel fehlender Gesamtschulplätze. Wie schon in den vergangenen Jahren wird ein erheblicher Anteil der Familien, die dies wünschen, ihre Kinder nicht auf eine Gesamtschule schicken können. Zum Schuljahr 2007/2008 mussten mehr als 17 000 Kinder an den nordrhein-westfälischen Gesamtschulen abgewiesen werden. Anlässlich ihrer Pressekonferenz am 8. Februar 2008 sprachen die Gesamtschulverbände für das Schuljahr 2008/2009 von mehr als 15 000 an den Gesamtschulen abgewiesenen Kindern - und zwar bereits zu einem Zeitpunkt, als noch nicht alle Ablehnungszahlen vorlagen. Nach Auskunft der Gesamtschulverbände steigt insbesondere der Anteil von Kindern mit Gymnasialempfehlung, da viele Eltern ihren Kindern das schwarz-gelbe Turbo-Gymnasium nicht zumuten wollen - ein Umstand, der CDU und FDP besonders zu verärgern scheint.

 

Landesweit gibt es aber nur rund 30 000 Plätze im fünften Schuljahr an den Gesamtschulen. Aus diesem Grund müssen jährlich tausende Kinder von den Gesamtschulen abgewiesen werden. Dies führt zu erheblichem Frust und großer Enttäuschung bei den Kindern und ihren Eltern. Das Recht auf freie Schulwahl - so will es scheinen - gibt es für die Landesregierung von CDU und FDP nur, wenn es politisch in ihr Konzept passt. Auch in diesem Jahr gibt es aber Initiativen von Eltern, die - kommunal unterstützt - die Neugründung von Gesamtschulen erwirken wollen.

 

Die Landesdelegiertenkonferenz fordert

  • die Landesregierung auf, das Recht der Eltern auf die Wahl der weiterführenden Schule für ihre Kinder anzuerkennen und die Gründung neuer Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen aktiv zu unterstützen,
  • die Landesregierung auf, jedwede Einflussnahme einzustellen, die darauf abzielen, die Neugründung von Gesamtschulen in den Kommunen zu verhindern,
  • die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen auf, sich weiter aktiv und vehement für das Recht der Eltern auf die Wahl der weiterführenden Schule für ihre Kinder einzusetzen und die Gesamtschulen gegen die Attacken von CDU und FDP zu unterstützen,
  • die Kreis- und Ortsverbände von Bündnis 90/Die Grünen in Nordrhein-Westfalen auf, die örtlichen Initiativen zur Neugründung von Gesamtschulen tatkräftig zu unterstützen.